Die kurze Geschichte einer Zwiebel

Kilometerstand
Anfang: El Chalten (Argentinien): 6.463 km
Ankunft: Gobernador Gregores (Argentinien): 6.765 km
Etappe: 302 km

Nach zwei Nächten in El Chaltén auf dem schönen Camping El Relincho machten wir uns am Freitagmittag wieder auf den Weg, viel später als erwartet, da wir für den organisatorischen Kram mal wieder viel Zeit brauchten. Nachdem die Abfahrzeiten der Fähre zur Insel Chiloé geklärt waren, ging es bei strahlendem Sonnenschein und dem beeindruckenden Fitz Roy im Rückspiegel endlich los.

Die ersten Kilometer auf einer 1a asphaltierten Straße liefen sehr gut, wir kamen gut voran. Kurz vor Tres Lagos erkannten wir leider schon die großen orangen Baustellenschilder… Am Ortsausgang warteten Boris aus Deutschland und Leandro aus Brasilien auf eine Mitfahrgelegenheit Richtung Norden. Die beiden haben sich mal in Brasilien beim Couchsurfen kennengelernt und machen nun gemeinsam Urlaub in Argentinien. Wir kamen schnell ins Gespräch und tauschten Routenplanung und -erfahrungen aus. Sie erzählten von Feuerland, den Grenzformalitäten und der außerordentlichen chilenischer Gründlichkeit bei der sanitary control:

Leandro berichtete, er habe eine Zwiebel gefunden und deshalb ziemlich Stress bekommen. Was?? Eine Zwiebel? Unsere Köpfe gingen beide nach hinten. Ja, eine große, schöne Gemüsezwiebel, antwortete Leandro. Wo? In San Sebastian, warum? Das war UNSERE Zwiebel!!!!!!!! Scheinbar hatten wir am gleichen Tag die gleiche Grenze überquert. Nachdem die argentinische Grenzbeamtin mit vielen Worten ausdrücklich gefragt hatte, ob wir Obst oder Gemüse dabei hätten, fiel mir plötzlich die im Kühlschrank vergessene Zwiebel ein. Da wir vom Hinweg wussten, dass in den 17 km zwischen der argentinischen und chilenischen Grenze absolut nichts kommen würde, stieg Axel aus und legte die Zwiebel in den Aufenthaltsraum mit Kochmöglichkeit, während die Beamtin wie ein Wasserfall weiter auf mich einredete… Dann ging es für uns weiter. Scheinbar müssen kurze Zeit später Leandro und Boris vorbeigekommen sein. Leandro hat die Zwiebel gefunden, eingesteckt und sich gefreut – wie gesagt eine große und schöne. 17 km weiter wurde diese dann beim Gepäckscan bei der Einreise nach Chile entdeckt und es gab Riesenärger… Er musste sich alleine in einen Raum setzen und sich eine ausführliche Standpredigt anhören. Nun ja, nachdem er sich gründlich entschuldigt hatte, war die Sache zum Glück erledigt. Sonst wäre es teuer geworden – illegal importierte Äpfel werden wohl mit 150 USD abgerechnet.

Die Straßenverhältnisse auf der Ruta quarenta (RA40) wurden kontinuierlich schlechter, wir kamen immer langsamer voran. Andere Fahrzeuge waren kaum unterwegs und die, die wir trafen, gehörten zu der langstreckigen Baustelle. Zu allem Übel hörten wir von hinten ein schleifend-knarzendes Geräusch, das zunehmend lauter wurde. Von außen konnte man nichts sehen, es wurde also Zeit unter das MePa zu schauen… Irgendwann erreichten wir nach 80 km Schotterpiste durchgeschüttelt das kleine Städtchen Gorbenador Gregores. Wir ließen die Jungs am Busbahnhof raus und fuhren zur Tankstelle. Die müssen ja wissen, wo es eine Werkstatt gibt.

Also ging es zur YPF, zuerst tanken, dabei lernten wir Markus aus Österreich kennen, der mit seiner argentinischen Freundin Caro schon länger durch Südamerika reist und sofort seine Hilfe beim Übersetzen anbot. Wir fuhren erstmal alleine zur Werkstatt und schnell war klar, dass die Kadernwelle, bzw. deren Aufhängung, das Problem war.

Den nächsten Tag verbrachten wir in der Werkstatt, Mariano, sein Bruder Luciano und Fermin schraubten fleißig, besorgten Ersatz für die verschlissenen Gummilager der Kadernwelle und der hydraulischen Kupplung und versorgten uns mit Mate-Tee. Gegen rollten wir glücklich auf 4×4 aus der Werkstatt.

Markus und Caro hatten ihre Weiterreise für uns verschoben, dolmetschten und kamen zwischendurch immer wieder mit Ushuaia (ein kleiner Welpe) in der Werkstatt vorbei. Abends grillten wir und verbrachten einen schönen spanisch-deutschsprachigen Abend zusammen.

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