Isla Chiloé – von Kirchen, Regen und hervorragender Küche

Kilometerstand
Anfang: Perito Moreno (Argentinien): 7.174 km
Zwischenstopp: Parque Nacional Chiloé, Cucao (Chile): 7.607 km
Ankunft: Dalcahue (Chile): 7.739 km
Gesamtetappe (zzgl. Fähre): 565 km

Von Perito Moreno mit ganz nebenbei der bisher in Argentinien saubersten Dusche – danke YPF – machten wir uns früh morgens auf den Weg nach Chile. Wir wollten Puerto Chacabuco und die Fähre nach Chiloé erreichen und einige Kilometer lagen vor uns. Kurz nach dem Ortsausgang stand auf einem großen Schild „Fin de Paviamento“, nee hätten wir auch sonst nicht bemerkt. Ca. 100 km führte uns der Weg über Schotter, genauer gesagt die schlechteste Piste, die wir bisher erlebt haben: tiefe Schlaglöcher, Wellblech und riesengroße Steine mitten auf dem Weg. Nach dem argentinischen Grenzposten ging es weiter über Schotter. Dieser wurde jedoch von gepflasterten Stellen kurz unterbrochen, nämlich immer dort, wo die Steigung zu steil war und im Winter wahrscheinlich der halbe Hang abzurutschen droht. Als wir Puerto Ingeniero Ibañez erreichten, begrüßte uns ein sehr freundlicher chilenischer Grenzbeamte. Die sanitary control verlief sehr gründlich, aber problemlos. Der Beamte schaute in alle Schubladen und Schränke. Wir reisten nun zum dritten Mal nach Chile ein und waren inzwischen routiniert (für alle, die es interessiert: kein frisches Obst und Gemüse, kein Honig, aber gekochte Eier und verschlossene abgepackte Wurst und Käse sind problemlos). Weiter ging es durch eine wunderschöne chilenische Landschaft mit blauen Seen, schneebedeckten Bergen und kleinen Wasserfällen – überall brach der Frühling aus.

Jacaf - unsere FähreGegen 18 Uhr erreichten wir das winzige Städtchen Puerto Chacabuco, lösten unsere Tickets für die Fähre und fuhren erstmal zurück nach Puerto Aysen um einzukaufen. Glücklicherweise hatten wir uns für die Reihenfolge erst Tickets, dann einkaufen entschieden, sonst wäre der Schalter für die Tickets schon geschlossen gewesen. Gegen 22 Uhr wurde die kleine Fähre Jacaf beladen, außer einigen Passagieren und uns fuhren wenige Baustellenfahrzeuge an Bord. Wir legten eine Stunde später ab und wir gingen zu Bett – wir durften im Auto schlafen. Die Nacht war ruhig und wir schliefen gut und lange. Am nächsten Morgen war die Ladefläche voll, das Schiff hatte nachts mehrmals angelegt, die Baustellenfahrzeuge waren entladen, dafür einige Rindertransporter an Bord gekommen. Wir erkundeten den eigentlichen Passagierbereich, tranken Kaffee und schmökerten Reiseführer. Draußen war es leider nasskalt und nebelig, bei schönem Wetter wäre die Route durch die Pforde traumhaft gewesen. Auch der Seegang nahm zu, die zweite Nacht war vergleichsweise unruhiger. Und Axel machte seine ersten Erfahrungen mit Seekrankheit… Am nächsten Morgen erreichten wir nach 33 Stunden Fährfahrt den Hafen Quellon auf Chiloé. Da es nicht der schönste Fleck auf der Erde ist (aber nicht so schlimm wie der Reiseführer ihn beschreibt), ging es weiter auf der Ruta 5, die sich als Panamericana bezeichnet (offiziell beginnt diese erst ab Santiago de Chile) bis Cucao zum Nationalpark. Das Wetter war durchwachsen, in einer kurzen Regenpause liefen wir den Naturlehrpfad durch den Tepu und über einen vollkommen schlammigen Abstecher zurück…

Abends wurden wir auf der Suche nach einem Restaurant von der Chefin des Fogon de Cucao von der Straße eingesammelt. Nicht so schlimm, es gab sowieso kaum Alternativen und der Lachs und unser erster Pisco sour waren sehr lecker. Oder wie Axel so treffend sagte: „Selten habe ich mich in einem leeren Restaurant so wohl gefühlt.“ In der Nacht regnete es durch und auf dem Zeltplatz entstanden große, große Pfützen. Dank 4×4 verliesen wir nach einem schönen und windigen Strandspaziergang am nächsten Morgen entspannt Cucao. Auf ging es nach Chinchi, wo eine der Unesco-Kirchen mit ihren typischen Holzschiefern steht. Es goß in Strömen, also in Touristenmanier raus aus dem Auto, Foto machen und weiter. In Castro, der Hauptstadt Chiloés, schüttete es. Wir liefen bis zur Markthalle, suchten ein warmes Mittagessen und wurden fündig: Cazuela und Paila Marina, ein Gemüseeintopf mit Fisch und Meeresfrüchten und ein Meeresfrüchte- und Fischeintopf. LECKER! Draußen goß es weiter in Strömen. Auf Bummeln hatten wir pitschepatschenass keine Lust, obwohl die Stadt sehr hübsch ist. Nach der Kathedrale ging es zurück zum Auto und mit einem kurzen Abstecher für die Palafitos, die Stelzenhäuser, weiter in Richtung Dalcahue, wo der Reiseführer eine besonders schöne Unesco-Kirche pries. Ein Campingplatz gab es zwar, aber keine Duschen, sodass wir uns mal wieder frei an die Straße stellten. Camping im europäischen Sinne mit Zelt, Wohnwagen oder -mobil gibt es in Chile quasi nicht, man übernachtet hier in Cabañas, in Hütten. Den Freitagvormittag verbrachten wir mit Blogpflege, Mails schreiben und liefen gegen Mittag zur Markthalle. Ja, wir haben raus, wo es auf Chiloé leckeres Essen gibt :-). Diesmal war der Curanto, die chiloetische Spezialität, ein in einem Erdloch gegarter Eintopf aus Muscheln, Hähnchen, ein wenig Schwein, Kartoffeln und Klöße, dran. Mmmmmmmh, lecker. Die zusätzlich bestellte Empanada entpuppte sich als Apfeltasche, ein super Nachtisch. Glücklich und zufrieden schlenderten wir anschließend über den Handwerkermarkt und kauften die ersten Souvenirs ein! Die Kirche hatte sich übrigens als Kirchengerippe (Renovierung oder totaler Neubau?) herausgestellt… Blöd, dass es weder in den Kirchen selber noch in der Touristeninformation in Castro gescheite Informationen gibt… Wir nahmen die Fähre und setzen über auf die kleine Nachbarinsel. Die Kirche in Achao war leider geschlossen. Soweit man durch das Fenster Lauschern konnte, sah sie von innen deutlich freundlicher aus als von außen. Bis 11 Uhr am nächsten Tag warten wollten wir auch nicht… Es gab nicht mal eine Kneipe oder ein Café in dem verschlafenen Örtchen, sodass wir uns auf den Rückweg machten. Am Samstag ging es über Aucar, wo man über einen langen Holzsteg eine kleine Insel mit (Überraschung!) geschlossener Holzschindelkirche erreicht, weiter nach Ancud. Es war wieder Mittagsessenszeit, wir suchten den Fischereihafen auf und wurden leider ein bisschen enttäuscht. Die kleine ‚Futtermeile‘ wirkte ein wenig wie eine schlechte Kopie der tollen Markthalle in Dalcahue, die Paila Marina war trotzdem lecker. Nach einem kurzen Schlendern durch die Stadt und Besuch des Regionalmuseums (muss man nicht) setzten wir mit der Fähre über auf das Festland und fuhren zum Nationalpark Alerce Andino.

Quintessenz Chiloé: wer Zeit und Glück mit dem Wetter hat, dem ist Chiloé zu empfehlen. Leider gibt es weder in der Hauptstadt Castro noch in den Unesco-Kirchen selber ausreichende Informationen zu Öffnungszeiten, Restaurierungszustand (Dalcahue!) oder Geschichte der Kirchen. Schade!
Ganz großes Kino: Fischmarkt Castro und Cocineria Dalcahue!

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Schade, dass das Wetter so schlecht ist. Dabei sieht Chiloé in Google Earth von oben so richtig einladend aus: Viel Grün, viel Wald und vermutlich Wiesen, viel Wasser und eine relativ dichte Bebauung, auch auf dem Land, jedenfalls entlang der Nationalstrasse 5.

    Diese wird in Google Earth als Panamericana Sur bezeichnet und in Wikipedia Quellon als offizieller Endpunkt der Panamericana.

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