{"id":1596,"date":"2015-03-25T23:23:12","date_gmt":"2015-03-25T21:23:12","guid":{"rendered":"http:\/\/panamericana-live.de\/?p=1596"},"modified":"2015-04-11T21:31:48","modified_gmt":"2015-04-11T19:31:48","slug":"mit-ferryxpress-um-den-darien-gap","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/panamericana-live.de\/?p=1596","title":{"rendered":"Mit FerryXpress um den Dari\u00e9n Gap"},"content":{"rendered":"<p>In der Grenzregion zwischen Kolumbien und Panam\u00e1 w\u00e4chst dichter Dschungel, die Guerilla- und Paramilit\u00e4rpr\u00e4senz ist hoch, eine Stra\u00dfe gibt es nicht. Warum keine gebaut wird, daf\u00fcr mag es viele Gr\u00fcnde geben. Vielleicht soll ein vereinfachter Drogentransport von Kolumbien nach Nordamerika vermieden werden oder es fehlt schlicht das Geld, eine Stra\u00dfe zu bauen und zu kontrollieren. Wie dem auch sei, den Dari\u00e9n Gap kann man nicht \u00fcber den Landweg passieren.<\/p>\n<p>Seit Oktober 2014 f\u00e4hrt <em>FerryXpress<\/em>, eine RoRo-Autof\u00e4hre, zwischen <em>Cartagena<\/em> und <em>Col\u00f3n<\/em>. F\u00fcr alle Reisenden eine richtig gute Sache: man kann sein Fahrzeug selber auf die F\u00e4hre fahren, muss die Schl\u00fcssel nicht abgeben und kann mit der F\u00e4hre mitfahren. Zudem kostet die \u00dcberfahrt nur einen Bruchteil einer Container- oder Flatrack-Verschiffung (ca. ein F\u00fcnftel \ud83d\ude2f ), ganz abgesehen von den entfallenden Flug- und Hotelkosten f\u00fcr mindestens zwei Wochen.<\/p>\n<p>Das ist alles toll, rechnet sich aber scheinbar leider f\u00fcr die Betreiber nicht. Das Schiff hat eine Kapazit\u00e4t f\u00fcr 500 Fahrzeuge und 1300 Passagiere, der Zoll in <em>Col\u00f3n<\/em> bricht schon bei 13 Fahrzeugen und 200 Passagieren zusammen&#8230; Nachdem schon in den Wintermonaten keine Autos mehr transportiert wurden, wird Ende April der Service leider definitiv eingestellt. Schade!<\/p>\n<h6>Mit FerryXPress um den Dari\u00e9n Gap, Tag 1<\/h6>\n<p>F\u00fcr uns begann der erste <em>FerryXpress<\/em>-Tag mit der obligatorischen Autow\u00e4sche, denn nur saubere Autos d\u00fcrfen in Panam\u00e1 eingef\u00fchrt werden. In der Autow\u00e4scherei mit dem sch\u00f6nen Namen <em>Las Brisas<\/em> wurde das MePa \u00fcber zwei Stunden geschrubbt inkl. Dach und Unterboden. F\u00fcr uns beide war es komisch, daneben zu sitzen und zu warten, f\u00fcr die Kolumbianer scheinbar ganz normal. Zu Hause w\u00e4re uns die Zeit daf\u00fcr zu schade, aber der Zeitbegriff in der Karibik ist ein ganz anderer als der in Deutschland \ud83d\ude09 !<\/p>\n<p>Der junge Mann arbeitete flott und gr\u00fcndlich, war ganz entt\u00e4uscht nicht noch den Innenraum reinigen zu d\u00fcrften und strahlte \u00fcber das ganze Gesicht, als Axel ihm ein kleines Trinkgeld in die Hand dr\u00fcckte. Mit dem frisch geputzten Auto \u2013 huch, das ist ja wei\u00df \u2013 fuhren wir zum Hafen, wo wir eine gute halbe Stunde zu sp\u00e4t ankamen, was au\u00dfer Antonia aber niemanden st\u00f6rte. Auf der Stra\u00dfe erfolgte die <em>Fumigation<\/em>, ein in Schutzkleidung eingepackter Mann spr\u00fchte irgendein Desinfektionsmittel in die Radk\u00e4sten und unter das Fahrzeug. Nach 2 Minuten war er fertig und wir um 35 USD \u00e4rmer&#8230; die Lizenz zum Gelddrucken!<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/panamericana-live.de\/?attachment_id=1575\" rel=\"attachment wp-att-1575\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-thumbnail wp-image-1575\" src=\"http:\/\/panamericana-live.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0401-300x300.jpg\" alt=\"Auf dem Weg nach Zentralamerika\" width=\"300\" height=\"300\" \/><\/a>Die anderen waren schon da: ein guatemalesischer Camper, ein chilenisch-spanischer VW-Bus, ein chilenischer, ein kalifornisch-russischer und ein venezoelanischer PKW, die sieben australische MGs, ein Motorrad aus New York City und das MePa wollten nach Zentralamerika. Dann war aber erst einmal Warten angesagt&#8230; Irgendwann durften wir mit den Fahrzeugen auf das Hafengel\u00e4nde fahren und es folgte Warten. Zum Gl\u00fcck gibt es in <em>Cartagena<\/em> einen extra f\u00fcr die Kreuzfahrpassagiere angelegten Tierpark im Hafengel\u00e4nde \ud83d\ude00 . Dort war es ein bisschen k\u00fchler, wir konnten unseren letzten <em>Juan Vald\u00e9z<\/em>-Kaffee trinken und Flamingos, Papageien und Affen beobachten. Zwei Stunden sp\u00e4ter ging es getrennt weiter. Antonia unterhielt sich mit den australischen Ehefrauen, die den Vormittag in der Stadt verbracht hatten und somit die ersten zwei Warte-Bl\u00f6cke ausgesetzt hatten. Ganz sch\u00f6n verr\u00fcckt, was die so machen und wo die schon \u00fcberall mit ihren kleinen Autos waren: Cape to Cairo, Seidenstra\u00dfe, quer durch Europa und demn\u00e4chst durch Indien.<\/p>\n<p>F\u00fcr Axel hie\u00df es weiter Warten: in kleinen Gruppen fuhren sie nach einander in den Zollbereich. Dort durchsuchte die Polizei mit Drogenschn\u00fcffelhund das Auto, der Z\u00f6llner stempelte die Ausfuhrpapiere und es wurde auf das Importverbot in Panam\u00e1 f\u00fcr Obst und Gem\u00fcse hingewiesen&#8230; Das gesamte Procedere wurde von einem englischsprachigen (!) <em>FerryXpress<\/em>-Mitarbeiter begleitet. Alles verlief also geordnet und korrekt, aber sehr zeitintensiv. Axel durfte dann mit dem Auto zur F\u00e4hre und neben dem Schiff am Kai parken \u2013 dann ging es aber zur\u00fcck ans Terminal. Die Australier waren schon lange weg und die Schlange der ca. 150-200 Fu\u00dfg\u00e4nger wurde immer k\u00fcrzer, als Axel mit <em>Victor<\/em>, dem Guamtemalesen endlich auftauchte. Gemeinsam stellten wir uns wieder an einer Schlange an, diesmal f\u00fcr die Gepr\u00e4ckkontrolle durch die Polizei, dann folgte der <em>FerryXpress<\/em>-Checkin und die Ausreise durch die Migration. Geschafft, nur noch das MePa holen und endlich auf die F\u00e4hre fahren!<\/p>\n<p>Abends gab es erst ein gemeinsames deutsches Bier vom Fass mit den Australiern und den zwei Berlinern <em>Katja<\/em> und <em>Sebastian<\/em>, die wir bereits auf dem Flughafen in <em>Quito<\/em> vor vier Wochen kennen gelernt hatten. Im Anschluss g\u00f6nnten wir uns dann noch ein asiatisches Abendessen auf einem schwedischen Schiff, unter italienischer Flagge und mit italienischer Crew, in S\u00fcdamerika auf dem Weg von Kolumbien nach Panam\u00e1 \u2013 das ist doch mal international&#8230; Die Kabine mit 2 m langem Bett, Airconditioning und hei\u00dfer Dusche war f\u00fcr uns beide sehr luxuri\u00f6s und nach dem langen und anstrengenden Tag fielen wir m\u00fcde und zufrieden ins Bett.<\/p>\n\n<div class='gallery'><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/panamericana-live.de\/?attachment_id=1576'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/panamericana-live.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0457-300x300.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/panamericana-live.de\/?attachment_id=1577'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/panamericana-live.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0466-300x300.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/panamericana-live.de\/?attachment_id=1579'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/panamericana-live.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0515-300x300.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon portrait'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/panamericana-live.de\/?attachment_id=1578'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/panamericana-live.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0497-300x300.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/panamericana-live.de\/?attachment_id=1580'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/panamericana-live.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0529-300x300.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><dl class='gallery-item'>\n\t\t\t<dt class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<a href='https:\/\/panamericana-live.de\/?attachment_id=1581'><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"300\" src=\"https:\/\/panamericana-live.de\/wp-content\/uploads\/2015\/04\/DSC_0537-300x300.jpg\" class=\"attachment-thumbnail size-thumbnail\" alt=\"\" \/><\/a>\n\t\t\t<\/dt><\/dl><br style=\"clear: both\" \/>\n\t\t<\/div>\n\n<h6>Mit FerryXPress um den Dari\u00e9n Gap, Tag II<\/h6>\n<p>Gegen 13 Uhr erreichten wir am n\u00e4chsten Tag den Hafen von <em>Col\u00f3n<\/em>. Sehr nett, die Fahrzeuge durften vor den Fu\u00dfg\u00e4ngern das Schiff verlassen und somit hatten wir sehr z\u00fcgig unseren panamesischen Einreisestempel. Aber wir erkannten schnell, dass hier eine andere Mentalit\u00e4t herrschte. Und gerade f\u00fcr uns, die die Zeit mit den tollen Menschen in Kolumbien so genossen hatten, war die Landung hart: unfreundlich und genervt wirkte die Beamtin auf uns und verlangte &#8211; zum ersten Mal f\u00fcr uns &#8211; ein Ausreisedokument und eine Kreditkarte \u2013 wir sind mit dem Auto da&#8230; Leider sollte sich dieser Eindruck in den n\u00e4chsten Tagen an Supermarktkassen und Mautstationen wiederholen&#8230;<\/p>\n<p>Wir beide waren eingereist, aber das MePa noch nicht. Was folgte, war Chaos: unterschiedliche Leute liefen um die Autos und verlangten Kopien, die wir gl\u00fccklicherweise ausreichend dabei hatten (insgesamt sicherlich 4x den Fahrzeugschein, Reisepass und F\u00fchrerschein und am Ende auch noch eine Kopie der Versicherung f\u00fcr Panam\u00e1 &#8211; kann vor Ort f\u00fcr 0,50 USD pro Kopie (!) gemacht werden). F\u00fcr uns war das ganze undurchsichtig, wir wussten nicht, wer f\u00fcr was zust\u00e4ndig war. Dabei das Wichtigste war: merken, wem man welche Kopie gegeben hat!<\/p>\n<p>W\u00e4hrend unser Auto erneut desinfiziert (diesmal kostenlos) und vom Drogenhund durchsucht wurde, warteten wir auf die Fertigstellung der obligatorischen lokalen Versicherung f\u00fcr Panam\u00e1. Die MGs Baujahr 1969 \u00fcberforderten die Dame, was wir alle nicht verstanden. Schlie\u00dflich ging es nur um eine Haftpflichtversicherung. Irgendwann kam sie mit unserer <em>Bill of Lading<\/em> zur\u00fcck und wir durften einige Meter weiterfahren und auf dem Parkplatz vor dem Zollgeb\u00e4ude parken (Ganz wichtig: genau die Daten pr\u00fcfen, anhand der <em>Bill of Lading<\/em> werden alle anderen Dokumente erstellt!). Dann war Warten auf die Versicherungsdokumente angesagt, denn ohne lokale Versicherung keine Fahrzeugeinfuhr.<\/p>\n<p>Dann kamen die Papiere und die eigentliche Fahrzeugeinfuhr war dran. Die Zollerkl\u00e4rung f\u00fcr die Fahrzeugeinfuhr dauerte ewig, um 22 Uhr hatte Daniel als letzter seine Dokumente. Inzwischen war es dunkel geworden und wir entschieden uns, mit <em>Victor<\/em>, dem Guatemalesen, <em>Daniel<\/em> aus Madrid und den vier Chilenen die Nacht auf dem sicheren Gel\u00e4nde zu verbringen. <em>Carolina<\/em> kochte einen gro\u00dfen Topf Reis, Antonia schnippelte eine gro\u00dfe Sch\u00fcssel Salat aus dem eingef\u00fchrten Gem\u00fcse (F\u00fcr unsere pers\u00f6nliche Zollerkl\u00e4rung hatte sich keiner bei der Migration interessiert. Die Frau hatte nur nachgesehen, ob der Zettel unterschrieben ist, und ihn dann zur Seite gelegt. Was wir angekreuzt hatten, war ihr total egal). Das warme und frische Abendessen tat uns allen nach dem langen Abend gut. Die M\u00e4dchen st\u00fcrzten sich auf den frischen Salat und wir verbrachten einen sch\u00f6nen Abend zusammen.<\/p>\n<p>Die vier erleben \u00fcbrigens gerade ihren ganz eigenen Roadtrip: Der Tsunami 2012, zerst\u00f6rte nicht nur das Haus der Familie, sondern <em>Carolinas<\/em> Familie kam ums Leben. Nachdem ein Neubeginn im S\u00fcden Chiles scheiterte, verlie\u00dfen sie jetzt Chile mit ihrem PKW, um nach Kanada in eine kleine chilenische Gemeinde auszuwandern. <em>Calgary<\/em> ist noch sehr weit! Wir w\u00fcnschen ihnen <em>mucha suerte<\/em>, viel Gl\u00fcck, insbesondere f\u00fcr <em>Javiera<\/em> und <em>Angie<\/em>, die beiden T\u00f6chter.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Grenzregion zwischen Kolumbien und Panam\u00e1 w\u00e4chst dichter Dschungel, die Guerilla- und Paramilit\u00e4rpr\u00e4senz ist hoch, eine Stra\u00dfe gibt es nicht. Warum keine gebaut wird, daf\u00fcr mag es viele Gr\u00fcnde geben. 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